Aufrüsten einer Losmandy G-11 - P H O T O N E N F A N G . D E

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Aufrüsten einer Losmandy G-11
Als ich auf der Suche nach einer mobilen und dennoch tragbaren Montierung auf die G-11 von Losmandy stieß, war ich zunächst von den Leistungswerten beeindruckt. Zudem ist Scott Losmandy für seine robuste und stabile Verarbeitung bekannt. Mit der Gemini II Steuerung und dem offenen Software-Projekt des Schaffers, Dr. René Görlich, sah ich auch in diesem Punkt nachhaltige und moderne Aussichten. Die Lieferzeiten einer G-11 aus den USA kann schon ein paar Monate dauern, Hollywood Machines Inc. baut halt nicht nur astronomische Montierungen. Endlich eingetroffen, war ich beeindruckt, von den massiven Beinen des Tripods und der Verarbeitung des Kopfes der Montierung. Alles montiert, stand eine prächtige Konstruktion aus Aluminium und Stahl vor mir. Es ist wirklich erstaunlich wie gut tragbar die einzelnen Teile der Montierung sind, wirkt sie doch in einem Stück sehr massig.
Die Aufnahme für das Teleskop ist wohl durchdacht und stabil. Nach der Installation von Haupt- und Leitrohr sind aber die ersten Schwächen einer "deutschen" Montierung erkennbar. Das Hauptrohr schlägt bei bestimmten Lagen an den Unterbau der Montierung. Bevor dies geschieht, muss die Montierung über den Meridian geschwenkt werden, der sogenannte Meridian Flip. Die G-11 kann zum Schutz der Optik, auf der West- sowie auf der Ost-Lage Anschlagspunkte lernen, an denen die Motoren dann automatisch gestoppt werden. Um den Moment des Umschwenkens zeitlich soweit wie möglich nach hinten zu verschieben, kann der Kopf der Montierung in Höhe und Weite von dem Tripod entfernt werden. Ich habe hierfür eine 60mm Verlängerungshülse für die RA-Achse installiert und zudem den gesamten Kopf der Montierung um 12" nach oben versetzt.
Beim Einsatz auf dem Feld kommen dann einige verbesserungswürdige Eigenschaften der G-11 zum Vorschein. Nach einer Nacht bei -18°C will man nicht mit einem Innensechskantschlüssel die Schrauben der Montierung lösen und dann mit kalten Fingern an den Schrauben fummeln. Auch das Drehen an den glatten Kunststoffkappen an den Klemmschrauben der Beine der Montierung, macht bei einer kalten Nacht keinen Spaß. Für alle diese kleinen Problemchen hat Losmandy eine Lösung in Form von Miniupgrades. Die Innensechskantschrauben können gegen großflächige Rändelschrauben ausgetauscht werden. Die liegen besser in der Hand, auch bei kalten Fingern, und man erzeugt mit ihnen mehr Drehmoment an der Verschraubung. Die glatten Kunststoffkappen können samt der Schrauben gegen verstellbare Knebelschrauben getauscht werden. Auch hier wird eine deutlich bessere Bedienbarkeit erreicht. Zu guter Letzt muss die Klemmung der beiden Achsen betrachtet werden. Hier muss, je nach Zuladung und erreichter Balance, ein großes Drehmoment angelegt werden, um eine ausreichende Klemmung der Achsen zu erreichen. Bei den mitgelieferten Muttern fehlt es an Griffigkeit und es kann beliebig schwierig werden, die Klemmung wieder zu lösen. Losmandy hat hierfür alternative Muttern im Angebot. Die bieten durch je drei Knebel eine erhöhte Griffigkeit beim Klemmen und Lösen der beiden Achsen.
Elektronisch hat die G-11 mit der Gemini II eine moderne Steuerung mit vielen nützlichen Funktionen. Die Gemini II wird ständig verbessert und erweitert. Software und Hilfe gibt es im Internet.
Elektrotechnisch ist die G-11 ein wenig anspruchsvoll. Die beiden Motoren werden direkt von der Gemini II Steuerung mit Strom versorgt und der ist erst ab 14V Betriebsspannung ausreichend stabil. Auch wenn die Gemini II mit einer Betriebsspannung von 12-18V angegeben ist, so konnte ich keinen stabilen Betrieb unter 14V realisieren und die Motoren meldeten regelmäßig einen "Stall". Somit fällt eine Versorgung mit einem 12V PowerPack auf dem Feld aus und man muss mit 220V und Netzteil arbeiten.
Elektromechanisch ist die G-11 sehr speziell. Die Motoren sind intelligent und regeln ihr Drehmoment bei anliegender Last automatisch hoch. Die Schnecken aus Bronze greifen mit einem großzügigen Spiel in die großen Aluminiumzahnräder der beiden Achsen. Motor und Schnecke sind mittels eines Getriebes und einer Kupplung miteinander verbunden. Speziell ist der Weg der Kraftübertragung. Die Welle des Motors dreht über ein Metallritzel das erste Getriebezahnrad. Dieses ist aus Kunststoff und bewegt indirekt die Metallwelle am anderen Ende des Getriebes. Das Übersetzungsverhältnis des Getriebes kann im Internet nachgelesen werden. Die Welle des Getriebes ist mit der Schnecke mittels einer Drehmomentkupplung aus Kunststoff verbunden. Das mit einer solchen Konstruktion eine derartige Präzision erreicht wird, ist bemerkenswert!
Mein RA-Motor hat sich nach geschätzten 20-30 Einsätzen in das Motorennirvana verabschiedet. Er hatte mitten im Betrieb seine Arbeit eingestellt und ich bekam dies nur durch die Leitsternverlustmeldung von PHD mit. Es war ziemlich schnell erkennbar, dass der Motor nicht mehr zu gebrauchen war und ich schickte ihn zurück zum Händler. Der Motor wurde nach eingehender Prüfung getauscht, aber auf den Ersatzmotor musste ich sehr lange warten. Als sich abzeichnete, dass der neue Motor nicht so schnell geliefert werden würde, bestellte ich kurzerhand zwei neue Motoren direkt in den USA. Zwei Motoren, weil ich beide Achsen mit den neuen High Torque Motoren von Losmandy ausrüsten wollte. Die beiden HT-Motoren lagen per UPS international nach drei Tagen in meinen Händen. Die HT-Motoren verfügen über identische Anschlüsse wie die Vorgänger und werden einfach an deren Stelle eingebaut. Ich hatte gleich zwei neue Getriebe mitbestellt und justierte beim Einbau der neuen Komponenten gleich beide Schnecken auf Lage und Andruck. Die höhere Leistung der Motoren zahlt man analog dazu in erhöhter Lärmbelästigung, die Dinger sind echt laut!
Ab der Firmware V5.x verfügt die Gemini II über eine funktionierende PEC. Man muss sich bei einer G-11 wirklich damit beschäftigen, denn die Präzision der verbauten Komponenten ist nicht perfekt. Obwohl ich beim Tausch der Motoren alle kraftführenden Teile auf das Genaueste justiert hatte, konnte ich bei 950mm Brennweite, trotz Guiding, einen periodischen Fehler Fehler in der RA-Achse am Stern erkennen. Leider haben die verbauten Motoren keine feste Referenzposition. Vielmehr merkt sich die Gemini II die relative Position des Motors und speichert diese in ihrem batteriegepuffertem RAM ab. Richtig, wenn hier etwas schiefgeht oder die Batterie aufgibt, ist die Position unbekannt und damit die PEC-Kurve unbrauchbar. Zudem muss bedacht werden, das eine erzeugte PEC-Kurve direkt mit der eingestellten Guiding-Rate verknüpft ist. Falls diese Rate verändert wird, muss ebenfalls neu trainiert werden.
Losmandy liefert die G-11 aktuell mit besseren Schnecken aus Bronze aus - High Precision Worm Gears. Die sind aber meiner Erfahrung nach, selbst mit trainiertem PEC für eine saubere Langzeitbelichtung mit großen Brennweiten nicht präzise genug. Es gibt in Frankreich einen echten Spezialisten, der sich wohl sehr gut mit der Bearbeitung von Metall auskennt. Er verkauft unter dem Namen OVISION handvermessene Bronzeschnecken, die in einer eigenen Einhausung geliefert werden. Diese Superschnecke hat ihren Preis und wird deswegen auch nur in der RA-Achse verbaut. Die ausgezeichnete Laufruhe wird mittels mitgeliefertem Messprotokoll dokumentiert. Das Ergebnis spricht für sich, auch bei langen Belichtungszeiten und einer Brennweite von 950mm, sind runde Sterne für mich keine Seltenheit mehr.
Als letzte Aufrüstung habe ich mir von meinem CNC-Mann verstellbare Verlängerungshülsen für die Tripodbeine anfertigen lassen. Die Serien-G-11 wird mittels der unteren Klemmschrauben der Tripodbeine in der Höhe verstellt und so in Waage gebracht. Dies ist auf weichem Untergrund bei ordentlicher Zuladung eine Arbeit, die in Vorbereitung der kommenden Nacht mehrmals korrigiert werden muss. Mit den neuen Hülsen kann jedes Bein einzeln und sehr fein in der Höhe verstellt werden. Das auch, ohne den Tripod anheben oder ankippen zu müssen. So ist es sehr einfach, nach dem Aufbau noch einmal die Lage der Montierung zu prüfen und ggf. zu korrigieren.

Als Fazit kann ich sagen, dass Scott Losmandy mit der G-11 eine solide Basis für eine mobile Astro-Montierung auf dem Markt hat. Die G-11 ist ja auch nicht wirklich neu und hat schon einige Produktzyklen hinter sich. Die serienmäßige Präzision der Nachführung reicht für Brennweiten >500mm aber bei Weitem nicht aus und bietet viel Raum für Verbesserungen. clear skies.
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